Sunday, 28. august 2011 7 28 /08 /Aug. /2011 11:03

 

Mit dem Beginn jeder politischen Ära änderten sich auch die städtebaulichen Konzepte für Südafrikas Städte.

Wenn ich von damals spreche, dann meine ich die Apartheid Ära. Planer und Politiker orientierten sich ausschließlich an ihren europäischen Vorbildern Großbritannien, USA, Australien, aber auch Deutschland. Dieser bilaterale Austausch machte sich auch bei uns bemerkbar. Südafrika und Namibia waren beliebte Urlaubsziele, der Krueger-Rand war der Hit unter den Wertanlagen. Und Südafrika wollte der Welt mitteilen: „seht her, hier bei uns gibt es alles, was es auch bei Euch gibt und darüber hinaus sind wir Euch im Gesundheitswesen weit überlegen.“

Alle „herausragenden“ Gebäude und Türme der Johannesburger City entstanden zu Apartheidzeiten, darüber hinaus die Fernuniversität „Unisa“ in Pretoria, …

Das Konzept für die Großstädte war klar: eine City mit kompletter Infrastruktur nach europäischen Vorbild und Muttikulturellem Leben, drum herum Wohngebiete, die Suburbs (Townships), zur Identifikation nach allen möglichen Phantasienamen benannt, so wie es dem Stadtplaner gerade beliebte.

Der politische Gedanke entsprach der regierenden ethnischen Gruppe, für sie war es die Erfüllung aller Träume, ein Leben im Paradies. Ausgegrenzt aber die Mehrheit der Bevölkerung, die zwar in ihren Homeland relativ selbständig waren, denen es jedoch an Fachverstand mangelte, um die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen zu befriedigen: ein Mensch, der aus der dritten Welt in die erste Welt kommt, will in seine alte Welt nicht mehr zurück und das war Südafrikas Problem.

 

Mit Ende der Apartheid Ära und Beginn der Demokratie waren die Erwartungen in allen Teilen der Bevölkerung sehr groß und können noch heute nicht erfüllt werden.

Mit dem Bestreben, die Macht der einst Unterdrückten für immer und ewig zu etablieren und den Folgen der plötzlichen Freiheit ließen den Sinn für städtebauliches Planen vergessen:

Menschen konnten sich plötzlich niederlassen, wo sie wollten, Flächenfraß durch Low-Cost-Housing und die Not, die Kriminalität aus dem täglichen Leben herauszuhalten, führte zu einer Verrottung der Innenstädte,die bis heute anhält und kaum noch aufzuhalten ist. Planlos nebeneinander entstehen Gewerbegebiete, Suburbs, Shopping-Center, Vergnügungsparks, die im großen und ganzen gleichmäßig verteilt sind, denen jedoch der Quartier-Charakter völlig abhanden gekommen ist. Die Bevölkerung ist immer noch tief gespalten und so ist es auch das tägliche Leben. Die mangelhafte Entwicklung der Infrastruktur, insbesondere der öffentlichen Verkehrsmittel, führt langsam aber sicher in das Verkehrschaos. Der Staat kann den Personentransport nicht bewerkstelligen und ist auf private Minibus-Taxi-Unternehmer angewiesen, die mittlerweile bandenähnlich organisiert sind. Immer wieder gibt es Kriege unter den Taxiunternehmen, die auch zu Blutbaden und Opfer in der Zivilbevölkerung führen.

 

An der Pflege und Erhaltung öffentlicher Parks und Einrichtungen wird gespart. Die Surburbs wachsen so stark, dass die Errichtung von wichtigen infrastrukturellen nicht nachkommt. Nicht zuletzt liegt es auch darin begründet, dass man jahrelang im Freudentaumel verharrend vergessen hat, den Bedürfnissen der Menschen entgegen zu kommen.

von Christina Singewald - veröffentlicht in: Johannesburg, Südafrika

Friday, 5. august 2011 5 05 /08 /Aug. /2011 15:17

 

Wie die Geschlechtertürme von San Gimignano, so empfand ich die Skyline von Johannesburg City aus der Ferne betrachte, wenn man vom Johannesburg-International-Airport gen Norden fährt, um z.B. nach Sandton zu gelangen.

Es könnte wahrlich stimmen, denn Johannesburg bettet sich in eine Hügellandschaft ein. Vergisst man die Dimensionen (1753m über NN, 3,2 Millionen Einwohner), so ergibt sich tatsächlich ein ähnliches Erscheinungsbild. Wobei die höchsten und eindrucksvollsten Skyscrapers aus den späten 60er und 70 Jahren stammen, gibt es noch einige eindrucksvolle Bürohäuser aus den 30er Jahren, erkennbar an den profilierten Naturstein Fassaden-Stütze und Naturstein-Kassetten.

Fotos habe ich leider keine, da ich während meines Aufenthaltes in Südafrika aus Sicherheitsgründen das Stadtgebiet gemieden habe und nur wenig Gelegenheit hatte, in die City fahren zu müssen. Aus dem Hochhausgebäude einer Bank konnte ich einen Blick auf angrenzenden Fassaden werfen.

Leider sind diese historischen Gebäude dem Verfall preisgegeben. Nicht nur die Kriminalität und fehlende Infrastruktur zwangen Firmen in die Vororte, sondern auch der fehlende Investitionswille öffentlicher und privater Institutionen. Nicht vorhandene Denkmalschutzprogramme und unzureichende Stadtplanung, ein nicht Erkennen der Erhaltungswürdigkeit von Gebäuden führt dazu, dass historische Hochhäuser leer stehen, von Obdachlosen in Besitz genommen und somit der Verwahrlosung preisgeben werden.

 

Diesen Prozess kann man sehr gut am Calton-Hotel veranschaulichen. http://1.1.1.5/bmi/www.carltonhotel.co.za/images/side-panel-carlton-hotel.jpg

Einst war es eine exklusives Adresse, 5-Sterne-Hotel, gebaut in den späten 60er Jahren. Das angeschlossenen Carlton-Center, Büro-Hochhaus und Shopping-Center, ein Muss für jeden Touristen (bis in die späten 90er Jahre). Denn von der Aussichtsplattform hat man einen wahrscheinlich phantastischen Blick über Johannesburg.

1997 wurde das Carlton Hotel mangels Belegung geschlossen, die Erdgeschoss-Ebene mit 3m hohen -Sicherheitszäunen verbarrikadiert.

Da es für Obdachlose unverständlich ist, auf der Straße leben zu müssen, während im Hotel selber 600 Betten leer stehen, wurden die Zäune eingerissen und das Hotel besetzt.

Das klingt zunächst verständlich und so schien es auch die Stadtverwaltung zu sehen, denn man hat die Menschen nicht aufgehalten oder das Gebäude geräumt.

Das hat nun verheerende menschliche Folgen: da Strom und Wasser abgeschaltet wurden, verwenden die illegalen Besetzer (Squatters) jeden Altes und Geschlechtes auch die sanitären Anlagen ohne Wasserspülung, kochen und beleuchten mit offenen Feuer.

Es wird eine Katastrophe geben, aber die Stadtverwaltung will und kann diese Entwicklung kaum aufhalten, denn es fehlen zig-Tausende von Wohnungen in und um Johannesburg.

Zehn Jahre noch und man wird abreißen müssen, das schätze ich, wenn nicht das Undenkliche passiert und man sich plötzlich auch an die Wurzeln westlicher Kultur erinnern will

Der URL des Bildes: link

So wie dem Carlton-Center geht es schätzungsweise 50% der City-Bausubstanz. Als ich von Südafrika wegging, sprach man von 30% leer stehender Hochhausgebäude in der City, darunter auch Appartmenthochhäuser, deren Besitzer sich der illegalen Besetzer nicht mehr zu wehren wussten. Warum auch, denn illegale Besetzer zahlen keine Miete und Nebenkosten. Kritisieren kann man die Menschen nicht, denn für sie ist das Wohnen in solch einer festen Behausung ein Luxus, auch ohne fliessendes Wasser und Strom. Verantworlich ist die Stadtverwaltung, jahrelang im "Regenbogen-Taumel" schwelgend den Verfall vor ihren Augen nicht bemerkten. Nun ist es etwas spät, die Entwiclung der letzen 17 Jahre rückgängig zu machen.Wer sollte dort investieren, wo Kriminalität und Armut herrschen? Keine Mieten und Steuern bezahlt werden können?

 

 

von Chistina Singewald - veröffentlicht in: Johannesburg, Südafrika

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  • : 3.10.2008
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  • Dipl.Ing.(FH) Architektur, habe 10 Jahre in Südafrika gelebt & gearbeitet.Wohnorte: Benoni/Johannesburg & Pretoria, Plettenberg Bay
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