Mit dem Beginn jeder politischen Ära änderten sich auch die städtebaulichen Konzepte für Südafrikas Städte.
Wenn ich von damals spreche, dann meine ich die Apartheid Ära. Planer und Politiker orientierten sich ausschließlich an ihren europäischen Vorbildern Großbritannien, USA, Australien, aber auch Deutschland. Dieser bilaterale Austausch machte sich auch bei uns bemerkbar. Südafrika und Namibia waren beliebte Urlaubsziele, der Krueger-Rand war der Hit unter den Wertanlagen. Und Südafrika wollte der Welt mitteilen: „seht her, hier bei uns gibt es alles, was es auch bei Euch gibt und darüber hinaus sind wir Euch im Gesundheitswesen weit überlegen.“
Alle „herausragenden“ Gebäude und Türme der Johannesburger City entstanden zu Apartheidzeiten, darüber hinaus die Fernuniversität „Unisa“ in Pretoria, …
Das Konzept für die Großstädte war klar: eine City mit kompletter Infrastruktur nach europäischen Vorbild und Muttikulturellem Leben, drum herum Wohngebiete, die Suburbs (Townships), zur Identifikation nach allen möglichen Phantasienamen benannt, so wie es dem Stadtplaner gerade beliebte.
Der politische Gedanke entsprach der regierenden ethnischen Gruppe, für sie war es die Erfüllung aller Träume, ein Leben im Paradies. Ausgegrenzt aber die Mehrheit der Bevölkerung, die zwar in ihren Homeland relativ selbständig waren, denen es jedoch an Fachverstand mangelte, um die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen zu befriedigen: ein Mensch, der aus der dritten Welt in die erste Welt kommt, will in seine alte Welt nicht mehr zurück und das war Südafrikas Problem.
Mit Ende der Apartheid Ära und Beginn der Demokratie waren die Erwartungen in allen Teilen der Bevölkerung sehr groß und können noch heute nicht erfüllt werden.
Mit dem Bestreben, die Macht der einst Unterdrückten für immer und ewig zu etablieren und den Folgen der plötzlichen Freiheit ließen den Sinn für städtebauliches Planen vergessen:
Menschen konnten sich plötzlich niederlassen, wo sie wollten, Flächenfraß durch Low-Cost-Housing und die Not, die Kriminalität aus dem täglichen Leben herauszuhalten, führte zu einer Verrottung der Innenstädte,die bis heute anhält und kaum noch aufzuhalten ist. Planlos nebeneinander entstehen Gewerbegebiete, Suburbs, Shopping-Center, Vergnügungsparks, die im großen und ganzen gleichmäßig verteilt sind, denen jedoch der Quartier-Charakter völlig abhanden gekommen ist. Die Bevölkerung ist immer noch tief gespalten und so ist es auch das tägliche Leben. Die mangelhafte Entwicklung der Infrastruktur, insbesondere der öffentlichen Verkehrsmittel, führt langsam aber sicher in das Verkehrschaos. Der Staat kann den Personentransport nicht bewerkstelligen und ist auf private Minibus-Taxi-Unternehmer angewiesen, die mittlerweile bandenähnlich organisiert sind. Immer wieder gibt es Kriege unter den Taxiunternehmen, die auch zu Blutbaden und Opfer in der Zivilbevölkerung führen.
An der Pflege und Erhaltung öffentlicher Parks und Einrichtungen wird gespart. Die Surburbs wachsen so stark, dass die Errichtung von wichtigen infrastrukturellen nicht nachkommt. Nicht zuletzt liegt es auch darin begründet, dass man jahrelang im Freudentaumel verharrend vergessen hat, den Bedürfnissen der Menschen entgegen zu kommen.
